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Personalisierte Medizin

Personalisierte Medizin

Die moderne Medizin setzt verstärkt auf Arzneimittel, die auf die genetischen Merkmale von Erkrankungen ausgerichtet sind. Experten sehen darin den Anfang einer neuen medizinischen Ära.

Medizinische Behandlungen an den persönlichen Bedürfnissen von Patienten auszurichten, gehört zu den zentralen Voraussetzungen einer erfolgreichen Therapie. Wichtig sind dabei zum Beispiel die individuelle Krankengeschichte, Umwelteinflüsse und persönliche Faktoren wie Alter und Geschlecht. Darüber hinaus gewinnt in der modernen Medizin eine weitere individuelle Komponente zunehmend an Bedeutung: Das Erbgut der Patienten beziehungsweise das genetische Profil von Zellen kann ebenfalls wichtige Informationen für die Therapie liefern.

Molekulare Diagnosemethode

 

Mit Hilfe molekularer Diagnosemethoden und durch die Analyse von besonderen Biomarkern ist es möglich, die spezifischen genetischen Merkmale von Erkrankungen zu identifizieren. Damit verbunden ist die Aussicht, Patienten die Therapie anbieten zu können, die am besten zu dem persönlichen genetischen Krankheitsprofil passt und dadurch die grössten Erfolgschancen bietet. Entsprechend gilt die Fokussierung auf das genetische Profil von Erkrankungen als viel versprechender neuer Ansatz in Forschung und Praxis. Dieser Ansatz wird häufig personalisierte Medizin genannt.

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms vor rund zehn Jahren hat massgeblich dazu beigetragen, neue Therapien zu entwickeln, die besonders wirksam sind. Denn die Ursachen für zahlreiche Erkrankungen liegen im menschlichen Erbgut. Oft sind nicht die Gene die Krankmacher, sondern bestimmte Genänderungen und Mutationen, die sich im Erbgut eines jeden Menschen finden. Viele Gene steuern Stoffwechselprozesse in menschlichen Zellen. Manche Genänderungen können Krankheiten auslösen, andere haben einen Einfluss darauf, ob und wie ein Medikament bei einem Patienten wirkt. Kennt man das genetische Profil einer Krankheit, kann man sie gezielter angreifen – mit Arzneimitteln, die auf die zellulären Stoffwechselprozesse ausgerichtet sind, die aufgrund von Genänderungen entstehen. Diese krankheitsspezifischen Änderungen im Erbgut treten bei bestimmten Patientengruppen auf, die häufig so klein sind, dass man hier von personalisierter Medizin spricht. Im englischen Sprachraum werden zudem die Begriffe stratified medicine oder tailored medicine verwendet.

Biomarker in der Diagnostik

 

Erfolgreiche Anwendungen in der Krebstherapie

Zehn Jahre nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms werden personalisierte Behandlungsansätze bei einigen Erkrankungen bereits erfolgreich eingesetzt. In anderen Therapiegebieten hat die Forschung und Entwicklung in den letzten Jahren grosse Fortschritte erzielt, so dass voraussichtlich schon bald weitere personalisierte Behandlungen zur Verfügung stehen werden. Am weitesten vorangeschritten sind die Anwendungen der personalisierten Medizin bislang in der Krebstherapie – etwa bei der Behandlung von Brust- und Hautkrebs, Leukämie oder auch Lungenkrebs. „Die Tumormedizin spielt eine Vorreiterrolle auf dem Weg zur personalisierten Medizin“, bestätigt Mace Rothenberg, Senior Vice President, Clinical Development and Medical Affairs bei Pfizer. „In keinem anderen medizinischen Gebiet ist die Differenzierung so weit fortgeschritten wie in der Onkologie.“ Diese Entwicklung spiegelt die jüngsten Erkenntnisse der Krebsforschung wider. Allein beim Lungenkrebs weiss man heute, dass es mindestens sechs verschiedene Subtypen gibt, die nebeneinander existieren können und unterschiedliche genetische Ursachen haben. Auch bei anderen Krebsarten kennen Wissenschaftler inzwischen die genetischen Auslöser und entwickeln darauf ausgerichtete neue Wirkstoffe.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Krebsfälle weltweit stark angestiegen - Tendenz weiter steigend.
Quelle: Weltgesundheitsorganisation (WHO), international Agency for Research on Cancer (IARC), Stand 2010